Ein Spielplatz für die Seele. Ein Wohnzimmer für den Stadtteil.
Das Projekt
Unsere Kirche wird leergeräumt – aber nicht ausgeräumt. Im Sommer öffnet sich die Kirche St. Michaelis in Osnabrück-Eversburg zwei Monate lang als offener Raum für alle Menschen aus dem Stadtteil. Aus dem liturgischen Raum wird ein sozialer Ort: ein Treffpunkt für Kinder, Eltern, Nachbar:innen und Freund:innen, unabhängig von Alter, Herkunft oder Einkommen. Ziel ist es, Begegnung zu ermöglichen, Selbstwirksamkeit zu fördern und den Stadtteil zu stärken.
Das Herzstück des Projekts sind vielfältige und niedrigschwellige Angebote, die Menschen aktiv einbinden: Ein offener Indoor-Spielplatz, bei dem Kinder eigene Spielgeräte bauen, kreative Bastelaktionen, musikalische Mitmachformate, Eltern-Cafés, Kleider- und Marmeladenbörsen, ein Tag mit Planetariumsprojektor, eine 90er-Jahre-Party, generationsübergreifende Events wie der erste Osnabrücker Erdbeerkuchen-Wettbewerb mit prominenter Jury, u.v.m. Die meisten Angebote sind kostenfrei oder bewusst sehr niedrig bepreist – Teilhabe soll keine Frage des Geldbeutels sein.
Der Stadtteil Eversburg ist sozial und kulturell vielfältig, aber viele Menschen erleben ihren Alltag eher nebeneinander als miteinander. Kinderarmut, prekäre Lebenslagen und sprachliche Barrieren führen oft zu Rückzug statt zu Begegnung. Hier setzt das Projekt an: Es macht die Kirche zum Ort der Beteiligung – mitten im Quartier und offen für alle.
Das ZeitHaus soll Angeboten für verschiedene Generationen bieten, aber immer intergenerativ gedacht und über vermeintlich sozial vorgegebene Hürden hinweg. Ohne Konsumzwang, ohne dass von ihnen etwas erwartet wird, können die Menschen einfach hineinkommen, aber so, dass sie sich jederzeit einbringen können.
Unser Wirkungsziel: Kinder und Familien im Stadtteil erleben sich als aktiver Teil einer vielfältigen Nachbarschaft. Sie erfahren Wertschätzung, bauen neue Beziehungen auf und gestalten ihr Umfeld mit. Der Kirchraum, als größter gemeinscahftlich zum nutzender Raum in der Nachbarschaft, wird so zu einem Ort, an dem Gemeinschaft wächst – sichtbar, hörbar, spürbar.
Zur Eigenleistung:
Die Mitarbeiter*innen engagieren sich im Projektzeitraum mit ca. 70 % ihrer Arbeitszeit für die Projektumsetzung. Dieser Beitrag wird nicht finanziell geltend gemacht, aber als erheblicher Eigenanteil dokumentiert.
Die Gemeinde stellt außerdem Gebäude, Räume, Reinigung, Infrastruktur und alle laufenden Betriebskosten kostenlos zur Verfügung.
Ausgangslage
Eversburg, unser Stadtteil im Nordwesten Osnabrücks ist historisch geprägt als (Berg-)Arbeiterquartier und weist heute - wegen der lange noch bezahlbaren Mieten - eine vielfältige Bevölkerungsstruktur auf.
Als Träger einer KiTa, die von rund 130 Kindern besucht wird, erleben wir es jeden Tag: Eversburg gehört zu den Stadtteilen Osnabrücks mit erhöhtem Armutsrisiko. Der Anteil von Kindern in Haushalten mit Transferleistungen liegt über dem städtischen Durchschnitt.
Auch in Bezug auf Menschen mit Migrationsgeschichte liegen wir über dem städtischen Durchschnitt. Dies spiegelt sich in der kulturellen Vielfalt des Stadtteils - das Bildungsangebot unserer KiTa richtet sich an Kinder aus 24 Nationen.
Über unsere KiTa hinaus bietet Eversburg verschiedene Bildungseinrichtungen, darunter eine Grundschule und eine integrierte Gesamtschule. Das Jugendzentrum Westwerk bietet Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche. Außerdem ist nicht weit entfernt von unserem Standpunkt eine Moschee. Mit deren Gemeinde konnten wir, ausgehend von unseren Frauengruppen, einen anhaltend guten und regen Austausch aufbauen. Außerdem findet bereits eine Zusammenarbeit mit dem Sportverein SV Eversburg statt. Alle weltlichen und religiösen Träger kommen außerdem regelmäßig zu einem runden Tisch zusammen und gestalten alle zwei Jahre ein gemeinsames Stadtteilfest.
Fazit: Eversburg ist ein Stadtteil mit sozialen Herausforderungen, insbesondere im Hinblick auf Kinderarmut und Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Gleichzeitig bietet die vorhandene Infrastruktur eine Grundlage, auf der gut aufgebaut werden kann.
Ansatz und Methodik
Als evangelische Kirchengemeinde sind wir stark dazu angehalten, unsere Projekte nach den Grundsätzen der Gemeinwohlorientierten Arbeit (GWA) zu gestalten. Innerhalb des hauptamtlichen Teams liegt auch bereits breitgefächerte Expertise vor. So hat Pastorin Ellen Radtke in der Vergangenheit bereits erfolgreich ein großes Projekt unter diesen Prinzipien durchgeführt. Dabei handelte es sich um bremke.digital, ein Kooperationsprojekt der Landeskirche Hannovers, der Stiftung Digitale Chancen und des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering (IESE). Dieses Projekt wurde im Rahmen des Bundesprogramms Ländliche Entwicklung gefördert und konnte erfolgreich abgeschlossen werden. Durch diese Erfahrung ist uns bewusst, das tatsächlich gelingende Projekte nur mit einem hohen Maß an organisatorischen und administrativen Fähigkeiten laufen können und eine enge Zusammenarbeit aller Player vor Ort unerlässlich ist. Unsere Expertise und unser Verständnis für die Anforderungen und Herausforderungen von Förderprojekten stellen sicher, dass wir auch dieses neue Vorhaben professionell und zielgerichtet umsetzen können.